Tiergesundheitsdienst/ Schaf- und Ziegengesundheitsdienst

1. Allgemeines

Der Schaf- und Ziegengesundheitsdienst steht allen Schaf- und Ziegenhaltern Thüringens zur Verfügung. Bei Fragen zur vorbeugenden Herdenbetreuung und bei Bestandsproblemen besteht die Möglichkeit, einen kostenlosen Beratungsbesuch zu vereinbaren. Die Beratung stützt sich weitgehend auf Untersuchungen des Labors des Tiergesundheitsdienstes der Thüringer Tierseuchenkasse (CAE, Maedi, Stoffwechsel) und des TLLV (Sektionen, Parasitologie).

Mit 257.127 Schafen < 9 Monate bildet Thüringen den drittgrößten Bestand nach Bayern und Baden-Württemberg und nach Schleswig-Holstein den zweitdichtesten Schafbestand Deutschlands.



Etwa fast Drittel des Mutterschafbestandes werden in 170 Großbeständen von über 400 Schafen gehalten. Durch eine enge Zusammenarbeit mit der TLL, dem TVL sowie dem Schaf- und Ziegenzuchtverband wird eine effektive und praxisorientierte Betreuung eines großen Anteils des Thüringer Schafbestandes erreicht.
Bei den Körungen der Schaf- und Ziegenböcke führt der Schafgesundheitsdienst als Mitglied der Körkommission die andrologischen und klinischen Untersuchungen durch.

Schaf- und Ziegengesundheitsdienst
Dr. Udo Moog,
Fachtierarzt für Schafe und Ziegen
Tel.: 03641/ 88 55 12
Mobil: 0174/ 90 78 138
Fax: 03641/ 88 55 55
umoog@thueringertierseuchenkasse.de


2 . Chlamydienabort (seuchenhaftes Verlammen)

Das seuchenhafte Verlammen wird durch den Erreger Chlamydophila abortus verursacht und stellt die häufigste Abortursache in Thüringen dar. Mit dem Ausstoßen der Frucht, der Nachgeburt und dem Fruchtwasser scheidet ein abortierendes Schaf massenhaft Erreger aus.



Abb.1: Chlamydienabort in einem Thüringer Schafbestand

Maßnahmen
  • verlammende Schafe absondern,
  • Untersuchung von Nachgeburten und Feten im TLLV Bad Langensalza,
  • Notimpfung der Herde, bzw. antibiotische Therapie der Hochtragenden (Langzeit-OTC),
  • Zwischendesinfektion der Ablammbuchten,
  • Schutzimpfung der Herde vor der nächsten Deckzeit mit zugelassenem Chlamydienimpfstoff und
  • vor nächster Ablammzeit Serviceperiode nach guter fachlicher Praxis

in den Folgejahren
  • Impfung der Zutreter vor der ersten Bedeckung sowie der Zuchtböcke mit zugelassenem Impfstoff gegen Chlamydienabort

Beihilfe der Thüringer Tierseuchenkasse:
im 1. Jahr:
  • Übernahme der Impfkosten für die
    Grundimmunisierung des Bestandes
in Folgejahren:
  • Übernahme der Impfkosten für die Zutreter
    höchstens 2,50 € pro Schaf

3. Parasitosen

Parasiten = unvermeidbare Begleiter der Weidehaltung

Anzeichen einer schädigenden Wurmbürde
  • Nachlassende Fresslust (Frühsymptom)
  • Durchfall (nicht immer)
  • Blasse Schleimhäute (Augen, Maul, Scheide)
  • Flaschenbildung (Abb. 2 teigige Schwellung am Unterkiefer)
  • Abmagerung und plötzliche Todesfälle

Wurmmittel: zahlreiche Handelspräparate, aber nur drei geeignete Wirkstoffgruppen (Benzimidazole, Levamisol, makrozyklische Laktone)

Behandlungsgrundsätze:
Medikamente vorschriftsmäßig lagern!
  • niemals unterdosieren,
  • Sammelkotprobe(n) vor der Wurmkur untersuchen lassen à das Ergebnis ist Grundlage für die Wahl des Wurmmittels,
  • Tiere 18 h vor bis 6 h nach der Wurmkur hungern lassen,
  • 7 - 10 Tage nach der Wurmkur Sammelkotprobe zur Therapiekontrolle einsenden à werden in dieser Kotprobe Wurmeier nachgewiesen, war die Wurmkur nicht voll wirksam und
  • zur Vermeidung von Resistenzen sollte ein systematischer Wechsel der Wirkstoffgruppen erfolgen
Beihilfe der Thüringer Tierseuchenkasse:
Übernahme der Kosten für die parasitologische Untersuchung von Kotproben:
pro 500 gemeldete Tiere höchstens 65,- Euro


4. Zucht auf Scrapieresistenz

Die Scrapie der Schafe ist im Zusammenhang mit den BSE-Erkrankungen der Rinder und der neuen Variante der Creutzfeld-Jakob-Krankheit beim Menschen in den öffentlichen Fokus gerückt. Im Interesse der Verbrauchersicherheit - und natürlich auch zur Sicherung der Vermarktungswege der Schafhalter - sollten alle Möglichkeiten zur Minimierung eventueller gesundheitlicher Risiken genutzt werden. Dabei ist im Gegensatz zu diesen Krankheiten bislang keine Übertragung von Scrapie auf den Menschen bekannt.
Eine Heilung dieser Erkrankung ist derzeit nicht möglich, jedoch ist bekannt, dass bei Schafen die Empfänglichkeit für Scrapie genetisch kontrolliert wird.

Die Zucht auf Scrapieresistenz erfolgt in Thüringen gemäß der TSE-Resistenzzuchtverordnung vom 17.10.2005 in zwei Ebenen:
  1. Erzeugung von homozygot und heterozygot resistenten Zuchttieren in der Herdbuchzucht. (Förderung aus Mitteln des Landeshaushaltes und der TSK)
  2. Überführung des gewonnen Zuchtfortschrittes durch den Einsatz resistenter Böcke in der Landeszucht.
  • ausschließliche Bereitstellung von G1 und G2 Böcken in den Wirtschaftsrassen bei Auktionen in Thüringen
  • Förderung des Ankaufs homozygot resistenter Zuchtböcke (G1) durch die TSK mit 60,- € je Bock



Wie das Diagramm zeigt, wurden in den letzten drei Jahren nur noch scrapieresistente Böcke in Thüringen gehandelt.


5. Maedi/Visna der Schafe und Caprine Arthritis Encephalitis (CAE) der Ziegen

Die Maedi/Visna der Schafe und die Arthritis-Encephalitis der Ziegen (CAE) werden durch das gleiche Lentivirus verursacht und deshalb nach den gleichen Grundsätzen bekämpft. Maedi (isländisch = Atemnot) ist eine Erkrankung der Schafe, bei der überwiegend die Lungen betroffen sind (interstitielle Pneumonie) und die vorrangig bei über 2 Jahre alten Milch-, Kamerun- und Texelschafen, aber auch immer häufiger bei anderen Rassen auftritt.
Bei der CAE treten vorrangig Gelenks- und Lungenentzündungen sowie Eutererkrankungen auf.

Kennzeichen
  • langsamer, tödlich endender Verlauf,
  • geht mit zunehmender Abmagerung einher,
  • keine Heilungsmöglichkeit erkrankter Tiere,
  • Erregereinschleppung erfolgt durch Zukauf oder Kontakt mit latent infizierten Tieren
Krankheitsnachweis
Der Nachweis einer CAE/Maedi-Infektion in Herden und bei einzelnen Tieren erfolgt durch eine Blutuntersuchung.

Bekämpfung = Unterbrechung der Übertragungswege
Prinzip des Maedi- bzw. CAE-Sanierungsprogrammes
  • mehrmalige blutserologische Untersuchungen aller Schafe und Ziegen eines Bestandes ab dem 6. Lebensmonat,
  • drei Untersuchungen im Abstand von 6 Monaten und anschließend einmal nach 12 Monaten und
  • konsequente Merzung der ermittelten Reagenten, einschließlich deren Nachzucht
Die Anerkennung als CAE- bzw. Maedi/Visna unverdächtiger Bestand erfolgt durch den TGD der Tierseuchenkasse und wird dem zuständigen Veterinäramt mitgeteilt.

Bis jetzt konnten 45 Betriebe mit insgesamt 2.550 Tieren als CAE- bzw. Maedi-unverdächtig anerkannt werden. Weitere 13 Betriebe mit insgesamt 2.623   Ziegen und Schafen befinden sich zurzeit im Sanierungsverfahren.
Die Untersuchungskosten betragen 3,50 € je Untersuchung.

Beihilfe bei der TSK:
2,50 € je gemeldete(s) Ziege/Schaf und Jahr


6. Programm zur Förderung der Tiergesundheit in den Schaf- und Ziegenbeständen in Thüringen

6. 1. Allgemeines

Mit dem Programm zur Förderung der Tiergesundheit in den Schaf- und Ziegenbeständen in Thüringen werden planmäßige Maßnahmen zur Erhaltung und Verbesserung der Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Schaf- und Ziegenbestände unterstützt. Die Förderung erfolgt durch die tiergesundheitliche Beratung der Schaf- und Ziegenhalter, die Unterstützung diagnostischer Maßnahmen und den Schutz der Schafe und Ziegen vor Infektionen sowie die Fortbildung der Schäfer und Ziegenhalter.

Schwerpunkte
  1. die Sicherung des vorbeugenden gesundheitlichen Verbraucherschutzes bei der Gewinnung von Lebensmitteln tierischer Herkunft,
  2. die Beratung der Schaf- und Ziegenhalter zu Fragen der Tiergesundheit, insbesondere zur
    • Erkennung, Bekämpfung und Vorbeugung von Infektionskrankheiten einschließlich Parasitosen,
    • Erkennung, Beseitigung und Vorbeugung von Mangelerkrankungen, insbesondere der Mineralstoff- und Spurenelementversorgung,
    • Verbesserung der Klauengesundheit,
    • Sicherung der Lämmergesundheit sowie der Herdenfruchtbarkeit und
  3. die Beratung zur tiergerechten Fütterung und Haltung der Schafe und Ziegen
Bisher integrierte Programmteile sind neben Chlamydienabort (siehe Punkt 2.), Parasitosen (siehe Punkt 3), Zucht auf Scrapieresistenz (siehe Punkt 4) sowie CAE und Maedi/Visna (siehe Punkt 5.) die Pseudotuberkulose (6.2.) und die Moderhinke (6.3).

6.2. Pseudotuberkulose
Abb. 4: Abszesse durch Pseudotuberkulose in den Euterlymphknoten und in den Lymphknoten der Ohrspeicheldrüse

Die Pseudotuberkulose der Schafe und Ziegen ist eine chronische Infektionskrankheit, die sich durch wiederkehrende Abszesse äußert. Die typischen Stellen der Abszesse sind die Lymphknoten der Ohrspeicheldrüse, die Bug-, Kniefalten- und Euterlymphknoten. Aber auch in den Lymphknoten der inneren Organe treten Abszesse auf.
Die Zielstellung besteht in der Eindämmung der Ausbreitung dieser Erkrankung innerhalb von und zwischen Herden und im Aufbau klinisch unauffälliger Bestände. Die wichtigste Säule der Diagnostik ist die klinische Untersuchung durch Abtasten der typischerweise betroffenen Lymphknoten.
Bei geringer Befallsintensität empfiehlt sich die sofortige Merzung von erkrankten Tieren, bei starker Befallsintensität kann zusätzlich die Impfung mit einer stallspezifischen Vakzine hilfreich sein.

6.3 Moderhinke

Moderhinke ist eine hochansteckende schmerzhafte Klauenerkrankung. Sie ist die bedeutsamste Lahmheitsursache beim Schaf und damit für viele Thüringer Betriebe ein großes Bestandsproblem. Neben wirtschaftlichen Einbußen stellt die Moderhinke ein erhebliches Tierschutzproblem dar.

Die Zielstellung des Programms besteht in der Senkung der Krankheitshäufigkeit und Schwere der Erkrankung sowie in der Sanierung betroffener Bestände, sofern die Bestände für Sanierung geeignet sind. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung der Wirtschaftlichkeit betroffener Schafbestände geleistet.

Die Diagnostik fußt auf der klinischen Untersuchung der Klauen aller Schafe des Bestandes sowie der Dokumentation der Befunde.

Schwerpunkte sind folgende Maßnahmen:
  • Herdenuntersuchung mit anschließender Herdenteilung,
  • intensive Behandlung der erkrankten Tiere und
  • behandlungsresistente Schafe sind zu merzen