Tiergesundheitsdienst/ Rindergesundheitsdienst

1. Allgemeines



Rindergesundheitsdienst für die Kreise:
NDH, KYF

Dr. Stefanie Söllner-Donat
Fachtierärztin für Rinder
Tel: (03641) 88 55 16
Mobil: (0173) 85 33 050
Fax: (03641) 88 55 55
ssoellner@thueringertierseuchenkasse.de
Rindergesundheitsdienst für die Kreise:
ABG, GRZ, SHK, AP, EF, J, G, WE, SÖM

Dr. Katja Hruschka
Fachtierärztin für Rinder
Tel: (03641) 88 55 14
Mobil: (0172) 96 48 129
Fax: (03641) 88 55 55
khruschka@thueringertierseuchenkasse.de
Rindergesundheitsdienst für die Kreise:
SOK, SLF, SM, HBN, SON, IK, SHL

Wolfram Siebert,
Fachtierarzt für Rinder
Tel: (03641) 88 55 15
Mobil: (0172) 96 50 980
Fax: (03641) 88 55 55
wsiebert@thueringertierseuchenkasse.de
Dienstsitz: Geranienweg 7,
99947 Bad Langensalza


Rindergesundheitsdienst für die Kreise:
EIC, UH, WAK, EA, GTH
Bullengesundheitsdienst

Dr. Andreas Ahrens
Fachtierarzt für Rinder
Tel: (03603) 84 35 66
Mobil: (0151) 14 77 24 88
Fax: (03603) 84 35 68
aahrens@thueringertierseuchenkasse.de


2. Eutergesundheit und Milchhygiene

Zur Absicherung einer hervorragenden Milchqualität sind gesunde Euter und optimales Management die wichtigsten Voraussetzungen.

Der Rindergesundheitsdienst (RGD)
  • berät in allen Fragen der Erhaltung oder Wiederherstellung einer eutergesunden Herde
  • zeigt Sanierungsmöglichkeiten auf und
  • unterstützt den Landwirt mit zeitnaher, problemorientierter Hilfestellung
Zu seinen Aufgaben gehören die Analyse des Eutergesundheitsstatuses der Herde, die Erstellung von Probennahmeplänen, die Auswertung von MLP-Daten und Milchprobenergebnissen, Hilfe bei der Dokumentation, die Beurteilung des Melkprozesses und die Betrachtung aller Einflussfaktoren, wie Futterqualität und allgemeine Herdengesundheit.
In der Beratung, insbesondere bei erhöhter Keimzahl oder Problemen der Melktechnik, arbeitet der RGD eng mit der Milcherzeugerberatung des TVL zusammen.

Handlungsbedarf besteht, wenn:
  • die Tankmilchzellzahl einen Wert über 200.000 Zellen/ml erreicht
  • im Monat > 2% klinische Mastitiden auftreten
  • Färsen oder Trockensteher erkranken
  • viele Euter/Strichverletzungen vorkommen
  • mehr als 5% der Abgänge auf Eutererkrankungen zurückgehen
3. Paratuberkulose des Rindes
Die Paratuberkulose ist eine auch in Thüringer Rinderbeständen weit verbreitete, unheilbare Infektionskrankheit, welche mit hohen wirtschaftlichen Verlusten für den Tierhalter verbunden ist.
Erste Anzeichen für das Vorhandensein der Paratuberkulose in der Herde sind verminderte Milch- und Fleischleistungen, Fruchtbarkeitsstörungen, erhöhte Anfälligkeit der Tiere gegenüber anderen Erkrankungen und dadurch höhere Tierarztkosten sowie vermehrt Tierverluste. Im fortgeschrittenen Stadium zeigt sich anhaltender Durchfall.

Die Ansteckung erfolgt im Jungtieralter, wobei das erste Lebensjahr als besonders kritisch zu betrachten ist. Ein großes Problem bei der Bekämpfung der Paratuberkulose sind u. a. die jahrelange Unauffälligkeit infizierter Tiere und das Ausscheiden des Erregers durch klinisch nicht erkrankte Tiere.

Die Bekämpfung der Paratuberkulose kann nur dann erfolgreich sein, wenn Ausscheider erkannt und aus dem Bestand entfernt werden und wenn entsprechende Hygienemaßnahmen strikt eingehalten werden, besonders
  • Abkalbehygiene,
  • Hygiene der Kolostrumgewinnung und -gabe sowie
  • Hygiene der Kälberhaltung
Der RGD berät Sie zur Paratuberkulose, erstellt in Zusammenarbeit mit Ihnen und dem zuständigen VLÜA einen betrieblichen Bekämpfungsplan und begleitet den Sanierungsfortgang. Das Paratuberkuloselabor untersucht Blut- und Kotproben und sendet Ihnen auf Anfrage entsprechende Probengefäße zu.

4. Kälbergesundheit
Eine stabile Kälbergesundheit ist ein entscheidender Faktor für die Wirtschaftlichkeit der Milchproduktion, denn bei steigenden Bestandsersatzraten (43,9% in 2006) werden über 50.000 weibliche Nachkommen für die Bestandsreproduktion der ca. 122.000 Milchkühe in Thüringen benötigt. Daher hat der Rindergesundheitsdienst die Aufgabe erhalten, Ursachen für hohe Kälberverluste in Thüringen zu ermitteln.

Die Ergebnisse des Kälberprojekts und der Betriebsberatungen zeigen, dass
  • auf eine zeitnahe und ausreichende Versorgung mit Erstkolostrum verstärkt zu achten ist,
  • die Eisenversorgung der Saugkälber verbessert werden muss,
  • durch Muttertierschutzimpfungen die Abwehr gegen Rotaviren unterstützt werden kann,
  • Kryptosporidien und Kokzidien bekämpft werden müssen und
  • eine Grippeschutzimpfung in vielen Betrieben angezeigt ist.
5. Bullengesundheitsdienst
Die Mitarbeiter des Rindergesundheitsdienstes unterstützen den Landesverband Thüringer Rinderzüchter bei der Durchführung der gesetzlich vorgeschriebenen und freiwilligen Untersuchungen in den EU-zugelassenen Quarantäne- und Besamungsstationen:
  • Besamungsstation Erfurt-Stotternheim
  • Quarantänestation Weißensee
  • Aufzuchtstation Nordhausen
Folgende Leistungen werden erbracht:
  • Entnahmen von Blut- und Kotproben sowie Präputialspülproben gemäß RL 88/407/EWG
  • Untersuchung von Spermaausstrichen
Die Untersuchungen erfolgen zur Sicherung eines guten Gesundheitsstatus der Vatertiere und einer hohen Spermaqualität.

6. Stoffwechselgesundheit und Fütterungshygiene
Die Erkennung und Vermeidung von Stoffwechselstörungen gehört zu den zentralen Aufgaben im Gesundheitsmanagement moderner Milchviehherden. Stoffwechselerkrankungen sind mit 9% eine bedeutsame Abgangsursache in Thüringer Kuhbeständen. Zudem sind Stoffwechselbelastungen prädisponierend für wesentliche Krankheitskomplexe, wie Klauen- oder Eutererkrankungen, Puerperal- und Fruchtbarkeitsstörungen.
Durch mikrobiologische Veränderungen von Futtermitteln wie Nach- und Fehlgärungen, Nacherhitzungen oder Verpilzungen können Veränderungen im Nährstoffgehalt oder Anreicherungen gesundheitsgefährdender Stoffe (z.B. bakterielle Toxine, Mykotoxine, Alkohol) herbeigeführt werden.
Der Rindergesundheitsdienst bietet Ihnen die Möglichkeit der komplexen Herdendiagnostik.
Schwerpunkte sind dabei die Infektionsdiagnostik sowie klinisch chemische Untersuchungen von Blut- und Harnproben repräsentativer Kuhgruppen auf wesentliche Stoffwechselparameter und die mikrobiologische Untersuchung suspekter Futtermittel auf Bakterien, Pilze und Hefen.
Anhand der Untersuchungsergebnisse können in Ihrem Betrieb erforderliche Maßnahmen erörtert und Rationskorrekturen vorgenommen werden.
Für Sie als Landwirt besteht die Möglichkeit Stoffwechseluntersuchungen und Beratungen in Form von Betriebsvereinbarungen regelmäßig prophylaktisch oder bei gegebenem Anlass problemorientiert in Anspruch zu nehmen.
7. Unterstützung der Bekämpfung anzeigepflichtiger Tierseuchen
Die Zuständigkeit für die Bekämpfung der anzeigepflichtigen Tierseuchen liegt bei den Veterinär- und Lebensmittel-überwachungsämtern (VLÜÄ) der Landkreise und kreisfreien Städte. Die Unterstützung dieser Bekämpfungsmaßnahmen ist seit Jahren ein besonderes Anliegen der Thüringer Tierseuchenkasse und ein wichtiges Arbeitsgebiet der Tiergesundheitsdienste.

Im Mittelpunkt stehen dabei
  • die Gewährung von Beihilfen zur Unterstützung der Tierhalter in der Sanierung der Bestände,
  • die fachliche Beratung der Tierhalter bei der Erstellung und Umsetzung betrieblicher Sanierungsprogramme in enger Zusammenarbeit mit den Veterinärämtern und
  • die Koordinierung von Bekämpfungsmaßnahmen in Zusammenarbeit mit TMSFG und dem TLLV
7.1 Bovine Herpesvirus 1 (BHV1) -Infektion
Die BHV1-Bekämpfung ist gegenwärtig der Schwerpunkt der Tierseuchenbekämpfung in den Rinderbeständen. Während andere Bundesländer kurz vor dem Abschluss der Bekämpfung stehen, gibt es in Thüringen noch eine hohe Zahl Rinder, die in Sanierungsbeständen gehalten werden. Am Ende des Jahres 2006 waren das mit 197.800 Rindern ca. 59% des Rinderbestandes. Die Mehrzahl dieser Rinder steht in großen Rinderbeständen, die auf dem Weg der Sanierung gut vorankommen und diese in Kürze abschließen können. Im Gegensatz dazu gibt es jedoch noch eine Reihe von Beständen, welche, bedingt durch hohe Neuinfektionsraten in den letzten Jahren, noch über viele Reagenten verfügen. Diesen Beständen muss das besondere Augenmerk gelten, wenn der Abschluss der Sanierung im Landesmaßstab das Ziel ist.

Auf Grund sehr hoher finanziellen Aufwendungen durch den Freistaat und die Tierseuchenkasse ergibt sich die besondere Verantwortung, die BHV1-Bekämpfung erfolgreich zum Abschluss zu bringen. Wir möchten dieser Verantwortung in enger Zusammenarbeit der Tiergesundheitsdienste mit den Veterinärämtern durch folgende Maßnahmen nachkommen:

  • intensive Beratung der Tierhalter und Unterstützung der Veterinärbehörden bei der Bearbeitung der Bestände mit hohen Neuinfektionsraten und schlechtem Sanierungsfortschritt,
  • Überprüfung von Neuinfektionsraten in den Sanierungsbeständen in Zusammenarbeit mit dem TLLV,
  • Beratung der Tierhalter in der Erkennung und Eliminierung der Ursachen für hohe Neuinfektionsraten,
  • gezielte finanzielle Unterstützung der Tierhalter bei der Reagentenausmerzung in der Endphase der Sanierung,
  • Beratung der Tierhalter in der Durchführung eines kontrollierten Impfausstiegs nach Abschluss der Sanierung und
  • Beratung der Tierhalter zum Seuchenschutz nach Erreichen der BHV1-Freiheit
Für die nächsten Jahre muss die Zielstellung darin bestehen, die Neuinfektionsrate in den Sanierungsbeständen unter 2% des Kuhbestandes abzusenken.

7.2 Infektion mit dem Virus der Bovinen Virus-diarrhoe/Mucosal Disease (BVD/MD)
Die BVD/MD ist seit 2004 eine anzeigepflichtige Tierseuche. Seit 2011 gilt bundeseinheitlich die BVDV-Verordnung, die die Untersuchungspflichten, die Handelsbestimmungen und Schutzmaßregeln festschreibt. Nach dieser müssen alle Rinder bis zum 6. Lebensmonat auf BVDV untersucht werden. Nicht untersuchte oder nicht BVDV- unverdächtige Rinder dürfen bis auf wenige Ausnahmen innerhalb Deutschlands nicht verbracht werden.

Die Untersuchungspflicht führte zur Einführung der Stanz-Ohrmarken in Thüringen, mit denen beim Einziehen die Probe zur Untersuchung gewonnen wird. Die Proben werden per Kurier (zuständiges VLUA) zur Untersuchung nach Bad Langensalza gebracht. Der BVD-Status wird im HIT registriert, gilt lebenslang und ist dort kontrollierbar.

Darüber hinaus kann sich jeder Rinderhalter dem Thüringer Programm zur Bekämpfung der Infektion mit dem Virus der Bovinen Virusdiarrhoe/Mucosal Disease (BVD/MD) in den Rinderbeständen anschließen. Ziel des Programms ist die Tilgung der Infektion in allen infizierten Herden sowie der Schutz freier und bereits sanierter Herden vor Neuinfektionen und damit verbundenen wirtschaftlichen Verlusten.

Die Anzeigepflicht der BVD/MD sowie tierseuchenrechtliche Anordnungen der zuständigen Behörden werden durch das BVD/MD-Programm nicht berührt.

Die Infektion mit dem Virus der BVD/MD hat in Abhängigkeit vom Trächtigkeitsstadium des Rindes verschiedenartige Auswirkungen:
  1. Transiente Infektion gesunder Rinder nach der Geburt führt zu Immunsuppression, erhöhter Anfälligkeit für Erkrankungen der Atemwege, verminderter Fruchtbarkeit und Misserfolgen bei Bestandsimpfungen.
  2. Persistente Infektion des Embryos führt je nach Trächtigkeitsstadium der Kuh zu Fruchttod, zu Aborten, Missbildungen oder persistent infizierten, gesund erscheinenden Kälbern (PI-Tiere).
Die Immunitätslage der Herde und der Erregertyp modulieren die Häufigkeit der Infektion und die Schwere der Erkrankung. Den PI-Tieren kommt epidemiologisch eine hohe Bedeutung zu. Sie halten die Infektion im Bestand aufrecht und sind für die Verbreitung des Virus von entscheidender Bedeutung. Die Bekämpfung setzt an der Erkennung und Entfernung dieser Tiere aus dem Bestand an.

5 Grundregeln für eine erfolgreiche BVD-Sanierung:
  • Lückenlose Bestandsuntersuchung, Erfassung aller Teilbestände und evt. Bullen
  • Alle Kälber in der 1. Lebenswoche mit Stanzohrmarken kennzeichnen, Proben untersuchen lassen (B. Langensalza)
  • Positive Befunde über Blutung der Kälber abklären (ab 41.LT)
  • Alle nicht unverdächtigen Rinder und Kälber sofort entfernen
  • Infektionsketten im Betrieb unterbrechen (neugeborene Kälber von Besamungstieren fernhalten, Tiere aus Abkalbestall mindestens 1 Woche von Besamungstieren fernhalten, Personenkontakte (Kälberpfleger!) überprüfen)
7.3. Rindersalmonellose
Die Entschädigungszahlungen für die wegen Rindersalmonellose auf amtliche Anordnung getöteten Rinder belaufen sich in den letzten 5 Jahren auf rund 500.000,00 Euro. Das sind nach den Entschädigungen für BSE die höchsten Entschädigungsleistungen der Rinderkasse. Aus diesem Grund hat die Tierseuchenkasse ein besonderes Interesse an einer fachgerechten Bekämpfung der Rindersalmonellose im Seuchenfall und an der Durchführung von Prophylaxemaßnahmen.

In die Erarbeitung der Impfpläne soll der Rindergesundheitsdienst einbezogen werden. Zudem steht der Rindergesundheitsdienst den zuständigen Veterinärbehörden und den Tierhaltern bezüglich der Durchführung der Bekämpfungsmaßnahmen beratend zur Seite.

Der Rindergesundheitsdienst...